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Geschichte


Das Deutsch-Libysche Wirtschaftsforum (DLWF) – Ein Zwischenstand nach mehr als zehn Jahren erfolgreicher Arbeit

Das Deutsch-Libysche Wirtschaftsforum (DLWF) hat sich seit seiner Gründung im Jahre 1997 zur wichtigsten Plattform für die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Staaten entwickelt. Unternehmen und Institutionen beider Seiten tauschen sich inzwischen in regelmäßigen Abständen über neue Geschäftsmöglichkeiten, über die Ausräumung von Hindernissen im bilateralen Wirtschaftsverkehr sowie die weitere Verbesserung der Arbeit des Forums aus. Der Afrika-Verein koordiniert seit November 1997 das DLWF im Rahmen der Nordafrika Mittelost Initiative der deutschen Wirtschaft (NMI).

Der Besuch einer libyschen Wirtschaftsdelegation im April 1997 in Deutschland sollte den wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen Deutschland und dem nordafrikanischen Land neue Impulse verleihen. Bald folgte der Vorschlag zur Gründung eines Gremiums, das sich gezielt mit der Förderung und dem Ausbau der beiderseitigen Wirtschaftsbeziehungen befasst.

Im November 1997 war es dann so weit: In Anwesenheit von Vertretern aus Politik und Wirtschaft beider Länder wurde in Frankfurt am Main das „Deutsch-Libysche Wirtschaftsforum“ (DLWF) gegründet. Mit dem Ziel des Ausbaus der bilateralen Beziehungen zwischen Libyen und Deutschland schrieb man sich den Informationsaustausch über die wirtschaftliche Entwicklung beider Länder, die Förderung der Kontakte zwischen deutschen und libyschen Unternehmen und Institutionen, die Durchführung von Informationsveranstaltungen und Delegationsreisen sowie den Abbau von Hemmnissen im bilateralen Geschäftsverkehr auf die gemeinsame Agenda. Der Afrika-Verein wurde von den Partnerverbänden der NMI mit der Koordination auf der deutschen Seite des Forums beauftragt.

Im Mai 1998, beim Besuch einer 45-köpfigen deutschen Wirtschaftsdelegation unter der Leitung von Jens-Ove Stier, dem damaligen Vorsitzenden des Forums, in Libyen, war die Unterzeichnung eines Rahmenabkommens mit der General Union of the Chambers of Commerce, Industry and Agriculture of the Great Jamahyria einer der Höhepunkte. Das bilaterale Deutsch-Libysche Wirtschaftsforum war somit offiziell gegründet und erhielt durch die Unterstützung der Bundesregierung und der in Libyen damals dem Außenministerium zugeordneten Kammervereinigung auch den notwendigen offiziellen Charakter. Auf libyscher Seite übernahm Abdullah S. Elbaruni, der Vorsitzende des Kammerverbands, die Leitung, welche er nach seinem Ausscheiden aus dem Amt Mitte 2003 an den neuen Vorsitzenden Mohamed H. Kanoun abgab.

Seit dem 8.DLWF 2005 in Frankfurt war Dr. Ties Tiessen, Vorstand für Produktion von Öl und Gas bei der Wintershall AG, der Vorsitzende des DLWF. Er hatte diese Funktion von Dr.-Ing. Axel Wippermann übernommen, der aus dem Vorstand der MAN Ferrostaal AG aus Altersgründen ausschied. Mittlerweile hat Herr Martin Bachmann, Vorstandsmitglied der Wintershall AG, den Vorsitz des DLWF inne. Dr. Ties Thiessen übertrug seinen Posten am 01.04.2010 an seinen Nachfolger.

Das 7. DLWF fand vom 28. bis 30.November 2004 in Tripolis statt. Mehr als 200 Vertreter von deutschen Unternehmen nutzten die zweitägige Veranstaltung unter dem Motto „Visions, facts and people“, um mehr als 300 libysche Entscheidungsträger aus Behörden und Unternehmen zu treffen. Das Forum folgte der Reise des Bundeskanzlers Gerhard Schröders im Oktober 2004 nach Libyen, wodurch das Interesse der deutschen Wirtschaft zusätzlich geweckt wurde. Im Mittelpunkt des Forums stand die stärkere Förderung der Privatwirtschaft. Bei der offiziellen Eröffnung des Wirtschaftstreffens unterstrich Libyens Ministerpräsident Dr. Shoki Ghanem die Bedeutung des Privatsektors für eine erfolgreiche Entwicklung der libyschen Wirtschaft. Nach einem kurzen Rückblick auf das deutsche Libyen-Geschäft seit 1958, in dem besonders der Erfolg der Öl, Gas und Petroindustrie hervorgehoben wurde, befasste sich das erste Panel mit dem großen Nachholbedarf und den Potenzialen des libyschen Gesundheitssystem, das vom langjährigen Wirtschaftsembargo stark betroffen war. Das zweite Panel beschäftigte sich mit dem Thema Transport. Besonders die Pläne zum Bau der „Trans Sahara Railway“ (TSR), einer Nord-Süd-Eisenbahnverbindung von Libyen über Niger bis in den Tschad und das Projekt der „Transmagrebhine Railway“, eine Verbindung der nordafrikanischen Länder entlang der Mittelmeerküste, wurden hier ausführlich vorgestellt. Des Weiteren befasste sich das 7. DLWF mit Themen wie der Förderung und Entwicklung des Tourismus, des Bildungswesens und des Finanzsystems in Libyen. Abgerundet wurde das Wirtschaftstreffen durch Veranstaltungen in den Bereichen Energieversorgung, Wasser und Umwelttechnologie. Ingesamt war das Deutsch-Libysche Wirtschaftsforum ein voller Erfolg und so waren sich auch Dr.-Ing. Axel Wippermann, Udo Volz von der Deutschen Botschaft in Tripolis und Botschafter Dr. Said Abdulaati in ihren Schlussworten darüber einig, dass die in das Forum gesetzten Erwartungen sogar übertroffen werden konnten.

Bei dem 8. DLWF am 22. und 23. November 2005 in Frankfurt am Main waren rund 350 Teilnehmer aus Deutschland und Libyen anwesend. Der libysche Botschafter Dr. Said Abdulaati bezeichnete das Forum dabei als „eine der wichtigsten Institutionen der Deutsch-Libyschen Wirtschaftsbeziehungen“. Die Auftaktveranstaltung des Forums hatte den Titel: Libyens wirtschaftliches Entwicklungsprogramm & Neue Bedingungen für Investition und Handel. Im Fokus standen die aktuelle Situation der libyschen Wirtschaft und die Beziehungen zu Deutschland. Seitens der Libyer wurde der Wunsch deutlich, die guten Beziehungen zu Deutschland auszuweiten. Als Voraussetzung hierfür wurde eine gemeinsame juristische Grundlage identifiziert. Änderungen im Steuer- und Investitionsgesetz sowie die Abschaffung von Zöllen wurden als konkrete Ziele formuliert, um deutsche Investitionen zu erleichtern sowie Im- und Exporte zu fördern. Als wichtigste Änderung in der libyschen Wirtschaftspolitik galt und gilt bis heute jedoch die Umwandlung der Staatswirtschaft in eine Marktwirtschaft. Dies wurde vom Vorsitzenden des Libyschen Volksbüros für Privatisierung Mahmoud el-Futais während seines Vortrags nochmals betont. Das 2. Panel des Wirtschaftsforums befasste sich mit den Themen Gesundheit und Ausbildung. Besonders der rasant ansteigende Bedarf an qualifiziertem Personal für die Finanzwirtschaft wurde in dieser Veranstaltung hervor gehoben. Weitere Themenbereiche des 8. DLWF waren wie auch in den vorangegangenen Jahren beispielsweise „Energie, Wasser und Industrie“, „Investitionen und Tourismus“, „Öl, Gas und Petrochemie“ oder auch „Transport und Logistik“. Die Veranstaltungen vermittelten auch in diesem Jahr wieder wertvolle Informationen über die aktuelle Entwicklung in den jeweiligen Bereichen und wurden von den Teilnehmern des Forums äußerst positiv angenommen.

Das folgende 9. DLWF fand vom 14. bis 16. November 2006 in der libyschen Stadt Benghazi statt und versammelte eine deutsche Delegation von 120 Teilnehmern unter der Leitung der parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie Dagmar Wöhrl. Eröffnet wurde die Konferenz von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Dieser unterstrich die Bedeutung Libyens als Partner der Europäischen Union. Neben der Energieversorgung spiele das Land auch bei den europäischen Bemühungen um Stabilität, Frieden und Wohlstand im Nahen und Mittleren Osten sowie in Afrika eine entscheidende Rolle. In diesem Zusammenhang betonte der damalige Bundesaußenminister besonders die Dringlichkeit bei der Bekämpfung des Terrorismus und der Entwicklung gemeinsamer Migrationsstrategien. Auch die Panels des 9. DLWF stießen seitens der Teilnehmer erneut auf großes Interesse. Der Themenschwerpunkt lag in diesem Jahr bei dem Investitionspotenzial in Libyen. So wurden beispielsweise die Rahmenbedingungen und gesetzliche Bestimmungen für Investitionen näher erläutert. Hierbei stand die Freihandelszone Musarat im Vordergrund. Der Vorsitzende der Sonderzone Mohamed Ihgeigh erörterte insbesondere die Vorzüge der Unternehmensansiedlung an diesem Standort. Natürlich befasste sich auch das 9. Wirtschaftsforum mit den aktuellen Entwicklungen in den Schlüsselindustrien der Deutsch-Libyschen Wirtschaftsbeziehungen. Die Themen „Nachhaltigkeit im Energiesektor“ und „Mangel an qualifizierten Fachkräften“ konnten als gemeinsame Schnittmenge der zentralen Panels identifiziert werden. Die Abschlussveranstaltung befasste sich mit dem Abbau von Hemmnissen in der Deutsch-Libyschen Zusammenarbeit. Bei der Vergabe von Visa wurde zum Beispiel ein Mangel an Ressourcen ausgemacht, der sich bei dem rasanten Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zukünftig noch verstärken könnte. Auch das 9. DLWF stieß auf äußerst positive Resonanz und kann als sehr erfolgreich bezeichnet werden.

Die Referenzliste des Forums weist im Zeitraum von April 1997 bis September 2007 eine stattliche Anzahl oft bilateraler Veranstaltungen auf. Das Wirtschaftsgespräch mit dem neuen libyschen Wirtschaftsminister Tayib Al-Safi am 19. April 2006 in Berlin konnte als ein weiterer Höhepunkt angesehen werden. Bei der Messe "Tripoli International Fair" in Tripolis vom 2. bis 12. April 2006 war der Afrika-Verein ebenfalls vertreten und repräsentierte dort auf seinem Stand sechs Unteraussteller.

Das 10. DLWF fand mit über 300 Teilnehmern am 20. und 21. November 2007 im Hotel Atlantic Kempinski in Hamburg statt. Unter den Teilnehmern befanden sich ca. 150 libysche Delegierte. Das zehnjährige Jubiläum des DLWF unterstrich die Bedeutung langjähriger Geschäftsbeziehungen. Die Nützlichkeit des Forums als Impulsgeber für die Deutsch-Libyschen Wirtschaftsbeziehungen wurde von Jahr zu Jahr offensichtlicher. Diese Entwicklung machte sich nicht zuletzt auch durch die positiven Wirtschaftszahlen bemerkbar. So wuchsen die deutschen Exporte nach Libyen im Jahr 2007 um 21,3 % auf € 450 Mio. Das deutsch-libysche Handelsvolumen stieg seit 1997 von €2,1 Mrd. auf €5,6 Mrd. Neben quantitativ messbaren Wachstumszahlen wurde im Jahr 2007 aber auch das Wachstum an Vertrauen in der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Libyen hervorgehoben. Neben einem ausführlichen Rückblick auf die insgesamt äußerst zufriedenstellende Entwicklung der Wirtschaftstreffen, befasste sich das 10. DLWF besonders mit Themen wie dem steigenden Interesse an erneuerbaren Energien, dem beachtlichen Reformtempo in der libyschen Wirtschaftspolitik sowie beispielsweise den enormen Potenzialen im libyschen Bausektor. Bemerkenswert war, dass sowohl das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, als auch das Auswärtige Amt anwesend waren. Dies verdeutlicht gerade aus Sicht der deutschen Wirtschaft den Stellenwert des Forums für die Wirtschaftsbeziehungen mit Libyen. Trotz der zehnjährigen Erfolgsgeschichte des Deutsch-Libyschen Wirtschaftsforums wurde abschließend nochmals betont, dass die Deutsch-Libyschen Wirtschaftsbeziehungen erst im Aufschwung begriffen sind. Es liegt an der deutschen Wirtschaft die sich in Libyen entwickelnde Dynamik zu nutzen.

Im letzten Jahr fand das 11. Deutsch-Libysche Wirtschaftsforum vom 25. bis 26. April 2009 in Tripolis statt. Wie schon in Benghazi 2006 waren wieder weit über 100 deutsche Unternehmensvertreter und ca. 250 libysche Delegierte anwesend. Eröffnet wurde die Konferenz vom damaligen Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg. Höhepunkt des letztjährigen Forums war die Unterzeichnung eines Abkommens, das die Eröffnung von Repräsentanzen der Wirtschaft und eine gemeinsame Wirtschaftskommission vorsieht. Der deutsche Minister und sein libyscher Amtskollege, Mohammed Ali al-Hewej, zeigten sich hoch erfreut über die positive Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen. Im Jahr 2008 stiegen die deutschen Exporte nach Libyen um 56,1 Prozent auf €1,047 Mrd. Auch der Stellenwert Libyens als Energielieferant wurde von Herrn Dr. Guttenberg hervorgehoben. Mit einem Anteil von 11 Prozent sei Libyen viertwichtigster Lieferant von Erdöl für Deutschland. Aber auch in anderen Bereichen gäbe es nach wie vor Potentiale und Chancen, dies verdeutliche die erneut große Bandbreite der Teilnehmer. In diesem Zusammenhang forderte der Vorsitzende der libyschen Handelskammer, Herr Juma Usta mehr Kooperation und Partnerschaft in Bezug auf Investitionen, die leider noch relativ gering seien. Auch der libysche Wirtschaftsminister betonte, dass mittlerweile nicht nur der Handel für die deutsche Wirtschaft interessant sei. In Libyen gäbe es keine Feinde der Privatwirtschaft mehr und anstehende Investitionen in die Infrastruktur in Höhe von rund US-$ 30 Mrd. böten auch der deutschen Wirtschaft interessante Renditemöglichkeiten. Zudem wurde von Seiten der Libyer der Wunsch geäußert, die Deutsch-Libyschen Beziehungen über das DLWF hinaus zu intensivieren. Dem Interesse an weiteren Veranstaltungen kommt der Afrika-Verein mittlerweile durch die Organisation weiterer Treffen, wie beispielsweise die gemeinsame Teilnahme an der Internationalen Messe in Tripolis oder regelmäßigen Delegationsreisen nach Libyen, nach.

Das 12. DLWF findet am 28. und 29. Juni im Hotel Crowne Plaza in Berlin statt. Auch in diesem Jahr werden wieder über 200 Vertreter der deutschen Wirtschaft sowie rund 150 libysche Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft erwartet. Eröffnet wir das Forum durch den Bundeswirtschaftsminister Reiner Brüderle. Dies verdeutlicht einmal mehr die Bedeutung der Konferenz als wichtige Plattform zur Förderung der deutsch-libyschen Wirtschaftsbeziehungen.

Sollten Sie Interesse an der Teilnahme an dem diesjährigen 12. DLWF in Berlin haben, so finden Sie weitere Informationen sowie die Möglichkeit der Online-Anmeldung unter den Rubriken auf der linken Seite dieser Homepage.